Mein Erfahrungsbericht: Zum Masterstudium nach Kuala Lumpur

Mein Erfahrungsbericht: Zum Masterstudium nach Kuala Lumpur

Nach Erlangen meines Diploms als Wirtschaftsmalaiologin flatterte mir ein verlockendes Angebot ins Haus: das Asia-Europe Institute (AEI) an der University of Malaya (UM) in Kuala Lumpur (KL) bot die Chance ein Masterstudium in nur einem Jahr zu absolvieren, finanziert mit einem Vollstipendium. Dies beinhaltet Flugkosten, Studiengebühren, sowie Lebenshaltungskosten in Höhe von etwa 270 Euro monatlich. Da konnte ich nicht Nein sagen! So hieß es die Koffer gepackt und auf nach Malaysia.

Die University of Malaya ist die älteste Universität Malaysias an der bereits viele wichtige malaysische Persönlichkeiten gelehrt und studiert haben. Der Campus liegt unweit des Zentrums von KL.

Am AEI werden 4 Masterprogramme angeboten:

  • ASEAN Studies,
  • Regional Integration,
  • Small-and-Medium Enterprises und
  • Information Management.

Das Studium dauert ein Jahr: 8 Monate Vorlesungen, 1 Monat Praktikum und 3 Monate arbeiten an der Abschlussarbeit (Research Paper). Die Vorlesungen werden überwiegend in Form von Blockunterricht angeboten, das heißt ein Fach wird intensiv für 2 Wochen unterrichtet, jeden Tag etwa 4 Stunden. Somit ist es möglich, Professoren aus aller Welt für den Unterricht zu gewinnen. Wir hatten zum Teil Professoren von der UM oder von anderen malaysischen Universitäten, die meisten kamen jedoch aus dem Ausland: Italien, Iran, Deutschland, Philippinen, Niederlande, usw. Als besonders spannend empfand ich nicht nur das Lernen von unterschiedlichsten Professoren sondern auch das gemeinsame Studieren mit Kommilitonen aus den verschiedensten Ländern: Insgesamt waren wir knapp 40 Studierende aus 12 verschiedenen Ländern: die meisten aus Malaysia, die restlichen aus Japan, Indonesien, Thailand, Vietnam, Laos, Myanmar, Pakistan, Italien, Frankreich, USA und Deutschland. Wir hatten eine Reihe von Vorlesungen gemeinsam, die meisten jedoch getrennt nach dem jeweiligen Masterprogramm. Mein Programm war das mit der geringsten Studierendenzahl, wir waren nur zu sechst.

Die Lernatmosphäre in solch einer kleinen Gruppe war natürlich toll! Das Leben in Malaysia ist recht angenehm: man kann wesentlich günstiger essen als in Deutschland und auch günstiger wohnen. So konnte ich es mir leisten in einem neu möblierten Appartement zu leben, mit Pool auf der Dachterrasse. So ließ sich das Studieren aushalten!

Um zur Uni zu gelangen und auch sonst mobil zu sein habe ich den malaysischen Mopedführerschein gemacht und mir ein Moped gekauft. Der Unterricht und die Prüfungen waren großteils eher amüsant als lehrreich. So in der Art: „Macht das nun halt mal so für die Prüfung, wir verstehen die Regel auch nicht, aber später hält sich eh keiner mehr dran.“ In der ersten Zeit, bis ich meinen Führerschein hatte bin ich sogar mit dem Rad zur Uni gefahren. Aber das ist schon ziemlich anstrengend da heiß und außerdem gefährlich mangels Radwegen. Natürlich könnte man auch ganz problemlos mit dem Taxi fahren. Mir haben die anderen Alternativen nur viel mehr Spaß gemacht!

Anreisetipps:

Flug von Deutschland entweder mit Zwischenstopp (je nach Airline) oder non-stop (Malaysia Airlines) nach Kuala Lumpur, vom KLIA (Kuala Lumpur International Airport) dann entweder mit Bus, Taxi oder Expresszug in die Stadt. Fahrt mit Bus ist am günstigsten, mit Taxi am komfortabelsten (kein weiteres Umsteigen erforderlich), mit Expresszug am schnellsten (28 statt ca. 60 Minuten). Vom Flughafen bzw. Zentralbahnhof (wo der Expresszug und die meisten Busse enden) bekommt man Taxis zum Festpreis, der zwar etwas teurer ist, einem dafür zu Beginn das Verhandeln erspart.

Wo gewohnt: zunächst privat (Zimmer im Haushalt einer älteren Dame gemietet) in Petaling Jaya, später in einem Einzelapartment in Kuala Lumpur.

Zeitraum: August 2007 bis November 2008

Kosten pro Monat:

Die Lebenshaltungskosten können sehr variieren je nach Lebensstandard. Die Uni hat angenommen, dass wir mit 1.300 RM im Monat auskommen (Stipendienhöhe, umgerechnet etwa 270 Euro). Das hat wohl bei den meisten asiatischen Kommilitonen auch ausgereicht, diese haben zumeist im Studentenwohnheim gewohnt. Europäische Kommilitonen wohnten meist außerhalb des Campus in WGs oder auch Einzelapartments. In WGs beträgt die Miethöhe etwa 120 Euro im Monat, ein Einzelapartment kostet etwa 200 Euro monatlich. Essen kann man sehr günstig, für etwa 1 Euro bekommt man in der Mensa ein Mittagessen (Reisgericht oder Nudeln) und ein Getränk. Im einheimischen Restaurant kostet ein vergleichbares Essen etwa 2 Euro. Ein Menü bei McDonalds (eignet sich immer gut als Vergleichswert) kostet ebenfalls 2 Euro.

Freizeitmöglichkeiten:

Kuala Lumpur bietet viele Möglichkeiten, seine Freizeit abwechslungsreich zu gestalten: Shoppen in einer der zahlreichen Malls, Kino, Essen, Besichtigungen der vielen Sehenswürdigkeiten, Disco, Relaxen am Pool, Wochenendausflüge in die Umgebung (mit dem Bus sehr günstig) oder mit Air Asia (oder einer anderen Billig-Airline) Asien erkunden.

Vorbereitung:

Eigentlich nicht nötig, da Malaysia sehr fortschrittlich ist und man daher auch ohne spezielle Vorbereitungen gut durchkommt, jedoch würde ich schon empfehlen, sich vom Arzt wegen Impfungen beraten zu lassen (z.B. Hepatitis A und B), ein paar Brocken Malaysisch zu lernen (obwohl man mit Englisch sehr gut durchkommt, doch öffnen Kenntnisse der Landessprache viele Türen) und sich etwas mit Kultur, Religion und Verhaltensweisen auseinanderzusetzen.

Sonstige Tipps:

Es ist hilfreich sich immer wieder in Geduld und Gelassenheit zu üben, im Umgang mit malaysischen Behörden und sonstigen Verwaltungsapparaten. Zudem braucht man eine gehörige Portion Zuversicht, um die Nerven zu schonen. Denn am Ende ist doch immer alles gut ausgegangen.

Mein Fazit:

Es war eine sehr intensive Studienzeit, die aber auch Raum für weitere spannende und schöne Erfahrungen bot, wie die Einladung einer malaysischen Kommilitonin in ihr Heimatdorf, um dort mit ihrer Familie das Ende von Ramadan zu feiern, das unvergessliche Erlebnis mich täglich auf meinem Moped der malaysischen Marke Modenas durch KL zu schlängeln, erholsame Stunden am Pool auf der Dachterrasse, ganz viel leckeres Essen, und immer wieder der atemberaubende Blick auf die gigantischen Petronas-Towers. Alles in allem ein unvergessliches und wunderschönes Jahr! Das obendrein mit einem Mastertitel belohnt wird.

Autor:  Verena Seitz

Bild: Pixabay

2 comments

  1. Nathalie

    Hallo Verena!
    Vielen Dank für den interessanten Erfahrungsbericht. Ich habe mich für das kommende Semester auch an der UM für Information Management beworben. Kannst du mir sagen wie das Interview bei dir verlaufen ist? Haben einige Studenten auch nur Teilstipendien erhalten, wo die Studiengebühren erlassen wurden aber keine monatlichen Lebenserhaltungskosten gezahlt wurden? Oder ist das ein Komplettpaket?

    Liebe Grüße
    Nathalie

  2. Flo

    Hey Verena,
    ich werde ab Februar in Malaysia für ein Semester an der UM studieren. Hast du Tipps, wie ich eine WG/Unterkunft finden kann?
    Welche Viertel in der Stadt sind am besten, um schnell zur Uni zu kommen und gleichzeitig schön zu wohnen?
    Danke für deinen Rat,
    Flo

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